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24.01.2020 | Büro WN / Kevin Hoffmann | ERH / Herzogenaurach

10 Fragen an MdL Walter Nussel

Wie sieht der Alltag eines Politikers aus? Was macht die Arbeit spannend?

Drei Wochen lang durfte ich als Praktikant den CSU-Abgeordneten und Beauftragten für Bürokratieabbau in Bayern, MdL Walter Nussel, begleiten und habe dabei spannende Einblicke in das tägliche Leben eines bayerischen Politikers bekommen. Hautnah erlebte ich ihn in Fraktions- und Plenarsitzungen, im Wirtschaftsausschuss und bei Gesprächen mit Bürgern, die ihre Anliegen vortrugen. Abschließend führte ich ein Interview mit dem Landtagsabgeordneten, nachdem ich u. a. viel über die bayerische Wirtschaft, den Klimaschutz und den Wahlkreis ERH und seine persönlichen Einschätzungen dazu erfahren hatte.



1.  Was hat Sie dazu veranlasst, Politiker zu werden?

Als junger Mensch war ich schon im vorpolitischen Raum engagiert, habe mich in Vereinen, z. B. der Feuerwehr usw., eingebracht. Da kommt man dann zwangsläufig auch mit der Politik in Berührung, die mich fasziniert hat.
 

2. Was macht das Berufsleben eines Politikers denn so spannend und was gefällt Ihnen an Ihrem Alltag?

Sicherlich sind dies die Vielseitigkeit und Abwechslung. Was den Bürokratieabbau anbelangt, so ist davon fast jedes Lebensumfeld betroffen. Für mich ist es spannend, etwas voranzubringen und Änderungen herbeizuführen. Wenn es durch meine Arbeit und meinen Einfluss den Menschen dann „gefühlt besser geht“ oder Probleme zumindest eingedämmt werden konnten, dann ist das schon sehr befriedigend.

3. Wie sieht ein typischer Arbeitstag von Ihnen aus?

Ich weiß nicht, ob ich der „typische Abgeordnete“ bin. Aber mein Tag beginnt mit dem Checken der E-Mails und dem Lesen der Tageszeitungen, Da erfährt man, was los ist. Das betrifft sowohl die kommunale als auch die Weltpolitik. Wenn ich im Stimmkreis unterwegs bin, dann sind mir Bürgergespräche wichtig, weil ich dann erfahre, wo den Menschen der Schuh drückt. Auch der Besuch von Firmen oder Veranstaltungen stehen auf der Tagesordnung. In meinem Büro arbeite ich dann alles auf und leite es an die Ministerien weiter. Erhalte ich deren Antworten, so gebe ich diese an die BürgerInnen weiter. Natürlich muss ich auch häufig nach.  München, vor allem wenn Sitzungswochen anstehen. Dabei ist man in Arbeitskreisen, Fraktionssitzungen und Ausschüssen gefordert. Aber auch der Kontakt zu Institutionen und Verbänden ist sehr wichtig. An den Wochenenden ist meistens Landkreisarbeit angesagt Ich besuche Kirchweihen, Konzerte und andere Veranstaltungen, wo es dann automatisch zum Kontakt mit den Menschen kommt.

4. Was macht Bayern denn politisch so erfolgreich im Vergleich mit anderen Bundesländern?

Das liegt daran, dass im Freistaat die CSU einfach näher am Menschen ist. Wir versuchen schon im vorpolitischen Raum zu verstehen, was die Menschen bewegt und danach die Politik zu gestalten. Das ist in anderen Bundesländern nicht in diesem Ausmaß der Fall. Franz Josef Strauß hat zu Lebzeiten den Grundstein für diesen Erfolg gelegt und er hat das hervorragend gemacht. Er hatte immer ein offenes Ohr für die Bürgerinnen und Bürgr und hat stets Wege gefunden, deren Anliegen umzusetzen.

5. Wie können in Zukunft Arbeitsplätze und Wohlstand in Bayern gesichert werden?

Es ist wichtig, dass die Infrastruktur stimmig und die Energieversorgung zuverlässig sind. Das schafft Vertrauen bei der bayerischen Wirtshaft. Damit die Menschen tagtäglich pünktlich am Arbeitsplatz erscheinen können, müssen auch Verkehrsflüsse und Transportmittel funktionieren. Von großer Bedeutung ist auch der Wohnraum, damit Menschen sich wohlfühlen können. Das gilt nicht nur für Ballungsräume, sondern auch für den ländlichen Raum, der gestärkt werden mmuss durch die Ansiedlung von Firmen.

6. Welche Projekte streben Sie für den Landkreis ERH an?

Wir sind Bildungsregion geworden, wobei das Duale Bildungssystem von großer Bedeutung war und ist. Es muss vorangetrieben werden. Klar müssen wir auch versuchen, CO 2 neutral zu werden, auf das Klima achten und das umsetzen, was derzeit beschlossen wird. Jedoch muss man auch die Wirtschaft - Mittelstand und Instrie - im Blick haben und um jeden Arbeitsplatz kämpfen. Darüber hinaus müssen auch neue Arbeitsplätze generiert werden, vor allem auch in der Landwirtschaft. Grundstückseigner und Landwirte dürfen mit dem Thema Umwelt nicht überfordert werden. Wichtig ist es, einen Konsens zu finden. 

7. Was schwebt Ihnen beim Thema Bürokratieabbau noch vor?

Wir müssen lernen, vor der Bürokratie nicht zu resignieren oder gar zu kapitulieren. Das bedeutet, wir brauchen einen Systemwechsel. Ich werbe dafür, dass wir die Null-Toleranz-Grenze in den Griff bekommen, will heißen, dass Vorgaben und Verordnungen so gemacht werden, dass sie praxisnah sind. Ehrenamtliche in Vereinen z. B. dürfen keine Angst haben, etwas falsch zu machen. Das gilt auh für Unternehmer und Handwerker. Wichtig ist ein bestimmtes Augenmaß und das sollte auch für die Fachministerien gelten.

8. Sollten in der Schule mehr politische Themen behandelt werden?

Im Sozialkundeunterricht gehört natürlich über Aktuelles in der Politik schon diskutiert. Aufgabe der Schulen sollte es schon sein, bestimmte Themen aufzugreifen und auch die Bedeutung der Demokratie den Schülern zu vermitteln. Gerade am Beispiel der AfD könne man dies tun. Überhaupt ist von Bedeutung, dass weder Links- noch Rechtsextreme zu sehr hochkommen. Das ist für mich die Kernbotschaft. Ich diskutiere auch gern mit den Schülerinnen und Schülern, wie kürzlich in der Werner-von-Siemens-Realschule in Erlangen, über Politik und warne dabei vor Splitterparteien wie sie es in Italien gibt.

 
9. Wie und wo können sich junge Menschen informieren, wenn sie konstruktiv zu einem besseren Klima beitragen wollen?

Es gilt, nicht nur auf Schlagwörter zu hören. Wichtig ist, die Hintergründe zu verstehen und sich eine Meinung zu bilden. Natürlich müssen sie auch selbst zum Klimaschutz etwas beisteuern. Allerdings darf auch nicht vergessen werden, dass es auch um Arbeitsplätze geht, die auf dem Spiel stehen. Ideologie muss auf jeden Fall aus der Diskussion herausgehalten werden.

10. Die Politiker im bayerischen Landtag sind laut einer Recherche angeblich diejenigen, die am meisten lächeln. Wie ist denn dort so die Stimmung?

Da die CSU über lange Jahre hinweg Bayern alleine regiert hat, konnte sie das Land prägen. Man hat das Gefühl, etwas bewirkt zu haben, was für Zufriedenheit sorgt. Das  gilt aber auch für die Konstellation im Landtag zusammen mit den Freien Wählern. Wenn ich in meinem Lebensumfeld mit einer gewissen Fröhlichkeit daherkomme, strahlt das auf meine Umgebung aus.