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25.05.2022

Unternehmerfrühstück der Mittelstandsunion Erlangen-Höchstadt

Am 24.5 fand das erste Unternehmerfrühstück der Mittelstandsunion nach zwei Jahren Coronabedingter Pause in der Eventscheune im Hotel Acantus in Oberlindach statt. Eingeladen hatten der Vorsitzende Peter Brehm und MdL Walter Nussel. 

"Es geht ans Eingemachte, die Transportwege sind massiv gestört, wir brauchen eine neue aktive Industrie- und Energiepolitik.“ Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung bayerischer Wirtschaft und erster Referent an dem Morgen, fand drastische Worte hinsichtlich eines Gasembargos gegen Russland. Stark betroffen wären auch die Stadt Erlangen und der Landkreis ERH. Natürlich gelte es, sich unabhängig von Russland zu machen und die Gasspeicher aufzufüllen.

Ein Embargo zum jetzigen Zeitpunkt aber könnte laut unterschiedlichen Prognosen und Studien einen Wirtschaftseinbruch zwischen sechs und zwölf Prozent nach sich ziehen, verbunden mit erheblichen Arbeitsplatzverlusten. Für die Stadt Erlangen könnte das bei der Wirtschaftskraft neun Prozent und bei den Erwerbstätigen sieben Prozent bedeuten, wähend der Landkreis mit rund sieben Prozent betroffen sein dürfte. Und zu den Sanktionen sagte der Referent: „Diese machen keinen Sinn, wenn wir uns selbst schwächen.“

Deshalb gelte es einzusparen, erneuerbare Energien (Wasserkraft, Biomasse, Windenergie) zu fördern, eine Leitung von Nord nach Süd zu bauen, staatliche Ansprüche abzusenken („Die Stromsteuer ist zu hoch“). Brossardt warb auch dafür Abhängigkeiten zu vermeiden und wichtige Produkte „wieder hier zu produzieren“. Brossardt warnte davor, die Wirtschaft weiter zu belasten und forderte mit Blick auf den Fachkräftemangel von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen anderweitig zu qualifiziert und dem Arbeitsmarkt zuzuführen. Ferner machte er deutlich, dass es „ohne Frauen ... bei uns nichts mehr“ ginge und diese idealerweise in Vollzeit arbeiten sollten.

Markus Ferber, MdEP, wurde virtuell aus  Brüssel zugeschaltet. Dieser betonte, dass die Pandemie noch nicht überwunden sei. Zusätzlich würden  die verstärkte Kreditaufnahme und die voranschreitende Inflation Wirtschaft und Betriebe weiter schädigen. Viele der anwesenden Unternehmer bestätigen Ferbers Diagnose des Fachkräftemangels und die Notwendigkeit der Anwerbung von Arbeitskräften aus dem europäischen Ausland. Ähnlich seinem Vorredner kritisierte Ferber zudem, dass ab 2035 den Pfad des Verbrennermotors verlassen würde. „Das schadet uns ökonomisch massiv.“

Von einem Lehrlings- und Fachkräftmangel in Deutschland  sprach Professor Elmar Forster, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Mittelfranken. Insgesamt fehlten über 70000 Fachkräfte. In Mittelfranken sei man zwar sehr gut ausgelastet mit Aufträgen, aber „Glück hat man, wenn man einen Handwerker kennt.“ Forster sprach von einem gesellschaftlichen „Akademikerwahn“ und warb für die duale Ausbildung, die es anderswo kaum gebe.